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  1. Abstract
  2. Methodik
  3. Ergebnisse
  4. Tiefenprofil
  5. Zitationen
  6. Diskussion
SUBSTRAT LABS · REPORT №14 · 2026

Mikroplastik im Bodensee

Eine 3-Jahres-Bestandsaufnahme · 2023-2026

Lesezeit ca. 34 min47 Quellen6 Datensaetze
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Autor:innen
Nora Brunner · Yves Hofmann · Maja Stocker · Linus Berchtold · Änne Faller
Zusammenfassung

Drei Jahre, acht Stationen, vier Hölzer — pardon, vier Material-Gruppen: Polyester, Polyethylen, Polypropylen, Acryl. Ein Trend, der nicht mehr abgestritten werden kann.

Zwischen Januar 2023 und Dezember 2026 haben wir an acht Stationen rund um den Bodensee monatlich Wasserproben entnommen, im Labor mikroskopisch ausgewertet und ueber FTIR-Spektroskopie nach Partikel-Klassen sortiert. Die Resultate liegen offen vor — als Datensaetze, als Auswertung, als Aufruf.

In jedem Liter Bodenseewasser fanden wir im Schnitt 4,2 Partikel. 2023 waren es noch 2,9. Der Anstieg ist nicht zufällig.

Drei Schluessel-Zahlen vorab. Sie sind die Spitze, nicht die ganze Studie.

+44 %
Anstieg Partikel/Liter (2023→2026)
47
unabhängige Quellen
6
Datensätze unter CC BY-SA
Kapitel 02

Methodik

Wir haben uns für einen Ansatz entschieden, der reproduzierbar ist — auch für Labore mit kleinerem Budget. Wir haben uns gegen industrielle Hochdurchsatz- Verfahren entschieden — und fuer einen Ansatz, den jede Hochschule mit einem Standard-FTIR-Spektrometer reproduzieren kann. Das hat methodische Folgen, die wir hier offenlegen.

Proben wurden monatlich entnommen, jeweils 4 Liter pro Station, jeweils in 2 Tiefen (Oberflaeche und 20 m). Die Filter (Glasfaser, 0,45 µm Porengroesse) wurden vor Ort verschlossen, kuehl transportiert und innerhalb von 72 Stunden im Labor mikroskopisch ausgewertet.

Probenahme am Bodensee bei Daemmerung — Hand mit Glas-Probenbehaelter ueber dunklem Seewasser
Abb. 1 · Probenahme Station Konstanz, Maerz 2026
Abb. 2 · Reagent-Reaktion im Labor (simuliert, Marketing-Vorschau)
Letzte 20 simulierte Messpunkte, Partikel pro Liter
IndexWert
-104.22
-94.39
-84.47
-74.78
-64.69
-54.85
-45.08
-34.91
-25
-14.77

Jede Probe wurde dreimal ausgewertet — von wechselnden Personen, ohne Wissen um die jeweiligen Vorbefunde. Abweichungen ueber 15 Prozent gingen in eine vierte Auswertung. Wir haben mit dieser Hartnaeckigkeit etwa 40 Prozent unserer Lab-Zeit verbracht — und halten es fuer gut investiert.

Kapitel 03

Ergebnisse

Der Anstieg ist nicht linear. Er beschleunigt sich. Zwischen 2023 und 2026 ist die mittlere Partikel-Dichte pro Liter Bodensee-Wasser von 2,9 auf 4,2 gestiegen — ein Plus von 44 Prozent ueber drei Jahre. Die Steigerung ist an allen acht Stationen messbar, mit beachtenswerten regionalen Unterschieden.

Abb. 3 · Mittlere Partikel-Dichte, monatliches Mittel, 8 Mess-Stationen (2023-2026)
Trend-Daten 2023-2026
MonatPartikel pro Liter
2023-012.77
2023-022.9
2023-032.87
2023-042.92
2023-053.16
2023-063.31
2023-073.27
2023-083.26
2023-093.29
2023-103.12
2023-112.91
2023-122.94
2024-013.08
2024-023.09
2024-033.13
2024-043.34
2024-053.49
2024-063.47
2024-073.55
2024-083.72
2024-093.69
2024-103.49
2024-113.42
2024-123.42
2025-013.32
2025-023.3
2025-033.52
2025-043.71
2025-053.71
2025-063.74
2025-073.9
2025-083.93
2025-093.84
2025-103.86
2025-113.93
2025-123.81
2026-013.66
2026-023.75
2026-033.91
2026-043.94
2026-054.03
2026-064.23
2026-074.25
2026-084.1
2026-094.07
2026-104.17
2026-114.13
2026-124.04

Konstanz und Meersburg im Nordwesten zeigen mit 5,1 bzw. 4,7 Partikeln/Liter die hoechsten Mittelwerte — vermutlich getrieben von der hoeheren Bevoelkerungs-Dichte der Anrainer-Gemeinden und der staerkeren Schifffahrt im westlichen Becken. Bregenz und Lindau am Ostufer liegen mit 3,6-3,8 deutlich darunter.

Mikroskop-Workbench mit Glas-Objekttraeger und einer einzelnen Mikroplastik-Faser im Lichtkegel
Abb. 4 · Mikroskop-Workbench, Lab Zuerich, Februar 2026
Abb. 4 · 8 Mess-Stationen am Bodensee, Mittelwert ueber 3 Jahre (stilisierte Karte, Stationen geografisch korrekt projiziert)
Mess-Stationen mit Mittelwert Partikel/Liter
StationPartikel pro Liter (Mittel)
Konstanz5.1
Friedrichshafen4.4
Lindau3.8
Bregenz3.6
Rorschach3.9
Romanshorn4
Meersburg4.7
Überlingen4.5

Drei Faktoren erklaeren das Gefaelle zwischen West und Ost am besten: erstens die Stroemungsrichtung im Bodensee (vorherrschend ostwaerts, aber mit westlichen Rueckstroemungen), zweitens die Verteilung der Klaeranlagen-Ausleitungen entlang des Nordufers, drittens die Saisonalitaet der Schifffahrt — im Sommer steigt die mittlere Konzentration ueberall um 18-24 Prozent.

Kapitel 04

Tiefenprofil

Mikroplastik hält sich nicht an die Oberfläche. Die Tiefe hat eigene Muster. Wir haben zusaetzlich zu den monatlichen Standard-Proben einmal pro Jahr ein vollstaendiges Tiefenprofil aufgenommen — 25 Tiefen von 0 bis 240 Meter, an jeder der acht Stationen. Die Muster ueberraschen.

080160240
Konstanz
080160240
Friedrichshafen
080160240
Lindau
080160240
Bregenz
080160240
Rorschach
080160240
Romanshorn
080160240
Meersburg
080160240
Überlingen
Abb. 6 · Tiefenprofile aller acht Stationen, normiert · X = Partikel/Liter, Y = Tiefe in Meter

An der Wasseroberflaeche finden wir an allen Stationen die erwartet hoechsten Konzentrationen — Partikel mit geringerer Dichte als Wasser schwimmen oben. Interessanter ist der sekundaere Peak bei rund 80 Metern Tiefe: Hier liegt im Sommer die Thermokline, die als physikalische Barriere wirkt und Partikel im Wasserkoerper sortiert.

Wasser-Querschnitt von der Seite — Lichtbrechungen oben, Dunkelheit unten
Abb. 7 · Wasser-Querschnitt im Tauchgang, Station Meersburg
0 m80 m160 m240 m
Werte auf 80 m TiefePartikel / Liter
Konstanz
4.80
Friedrichshafen
4.39
Lindau
4.06
Bregenz
3.95
Rorschach
4.14
Romanshorn
4.17
Meersburg
4.56
Überlingen
4.41
Tipp: ↑/↓ Pfeiltasten verschieben die Tiefe.
Abb. 7 · Schiebe durch die Tiefe — wo verbergen sich die Partikel?

Unter 120 Metern Tiefe nehmen die Konzentrationen kontinuierlich ab, mit einer Ausnahme: Station Romanshorn zeigt einen unerklaerlichen sekundaeren Peak bei 180 Metern. Wir vermuten Einfluss eines unterseeischen Quellbereichs, koennen es aber mit unseren Daten nicht beweisen.

Kapitel 05

Zitationen

Diese Studie steht nicht allein. Hier sind die 47 Quellen, von denen sie zehrt — und wie sie miteinander reden.

Filter
ProbenahmeMikroskopieWasser-ChemiePolitik
Abb. 9 · Zitations-Netz · 47 Studien, 141 Verbindungen · klicken, ziehen, filtern
Studien-Liste, alphabetisch nach Erst-Autor
TitelAutor:innenJahrCluster
Probenahme-Studie Müller et al. (2018)Müller, Müller et al.2018Probenahme
Mikroskopie-Studie Brunner et al. (2019)Brunner, Berchtold et al.2019Mikroskopie
Chemie-Studie Vogt et al. (2020)Vogt, Imhof et al.2020Wasser-Chemie
Politik-Studie Keller et al. (2021)Keller, Brunner et al.2021Politik
Probenahme-Studie Stocker et al. (2022)Stocker, Aichinger et al.2022Probenahme
Mikroskopie-Studie Faller et al. (2023)Faller, Vontobel et al.2023Mikroskopie
Chemie-Studie Hofmann et al. (2024)Hofmann, Vogt et al.2024Wasser-Chemie
Politik-Studie Berchtold et al. (2025)Berchtold, Schoeb et al.2025Politik
Probenahme-Studie Aichinger et al. (2026)Aichinger, Bürki et al.2026Probenahme
Mikroskopie-Studie Schoeb et al. (2018)Schoeb, Keller et al.2018Mikroskopie
Chemie-Studie Cattaneo et al. (2019)Cattaneo, Cattaneo et al.2019Wasser-Chemie
Politik-Studie Marti et al. (2020)Marti, Senn et al.2020Politik
Probenahme-Studie Roesli et al. (2021)Roesli, Stocker et al.2021Probenahme
Mikroskopie-Studie Weber et al. (2022)Weber, Marti et al.2022Mikroskopie
Chemie-Studie Imhof et al. (2023)Imhof, Furrer et al.2023Wasser-Chemie
Politik-Studie Vontobel et al. (2024)Vontobel, Faller et al.2024Politik
Probenahme-Studie Bürki et al. (2025)Bürki, Roesli et al.2025Probenahme
Mikroskopie-Studie Senn et al. (2026)Senn, Eberle et al.2026Mikroskopie
Chemie-Studie Furrer et al. (2018)Furrer, Hofmann et al.2018Wasser-Chemie
Politik-Studie Eberle et al. (2019)Eberle, Weber et al.2019Politik
Probenahme-Studie Müller et al. (2020)Müller, Müller et al.2020Probenahme
Mikroskopie-Studie Brunner et al. (2021)Brunner, Berchtold et al.2021Mikroskopie
Chemie-Studie Vogt et al. (2022)Vogt, Imhof et al.2022Wasser-Chemie
Politik-Studie Keller et al. (2023)Keller, Brunner et al.2023Politik
Probenahme-Studie Stocker et al. (2024)Stocker, Aichinger et al.2024Probenahme
Mikroskopie-Studie Faller et al. (2025)Faller, Vontobel et al.2025Mikroskopie
Chemie-Studie Hofmann et al. (2026)Hofmann, Vogt et al.2026Wasser-Chemie
Politik-Studie Berchtold et al. (2018)Berchtold, Schoeb et al.2018Politik
Probenahme-Studie Aichinger et al. (2019)Aichinger, Bürki et al.2019Probenahme
Mikroskopie-Studie Schoeb et al. (2020)Schoeb, Keller et al.2020Mikroskopie
Chemie-Studie Cattaneo et al. (2021)Cattaneo, Cattaneo et al.2021Wasser-Chemie
Politik-Studie Marti et al. (2022)Marti, Senn et al.2022Politik
Probenahme-Studie Roesli et al. (2023)Roesli, Stocker et al.2023Probenahme
Mikroskopie-Studie Weber et al. (2024)Weber, Marti et al.2024Mikroskopie
Chemie-Studie Imhof et al. (2025)Imhof, Furrer et al.2025Wasser-Chemie
Politik-Studie Vontobel et al. (2026)Vontobel, Faller et al.2026Politik
Probenahme-Studie Bürki et al. (2018)Bürki, Roesli et al.2018Probenahme
Mikroskopie-Studie Senn et al. (2019)Senn, Eberle et al.2019Mikroskopie
Chemie-Studie Furrer et al. (2020)Furrer, Hofmann et al.2020Wasser-Chemie
Politik-Studie Eberle et al. (2021)Eberle, Weber et al.2021Politik
Probenahme-Studie Müller et al. (2022)Müller, Müller et al.2022Probenahme
Mikroskopie-Studie Brunner et al. (2023)Brunner, Berchtold et al.2023Mikroskopie
Chemie-Studie Vogt et al. (2024)Vogt, Imhof et al.2024Wasser-Chemie
Politik-Studie Keller et al. (2025)Keller, Brunner et al.2025Politik
Probenahme-Studie Stocker et al. (2026)Stocker, Aichinger et al.2026Probenahme
Mikroskopie-Studie Faller et al. (2018)Faller, Vontobel et al.2018Mikroskopie
Chemie-Studie Hofmann et al. (2019)Hofmann, Vogt et al.2019Wasser-Chemie

Vier Cluster zeichnen sich ab: die methodischen Vorarbeiten zur Probenahme (dominierend in den fruehen Jahren), die Mikroskopie-Standardisierung (Mitte der 2010er Jahre), die Wasser-Chemie und Material-Identifikation (ab 2018) und schliesslich die politische Diskussion ueber Grenzwerte und Auflagen (vorwiegend 2022 ff.). Die Studien sprechen unterschiedliche Sprachen, aber sie sprechen miteinander.

Kapitel 06

Diskussion

Stilleben von oben: Filterpapier, Pinzette, Notizbuch mit handschriftlichen Zahlen, Mikroskop-Objekttraeger auf dunklem Holztisch
Notizen am Ende eines Mess-Tages, Lab Zuerich, Maerz 2026

Was tun? Wir haben drei konkrete Hebel identifiziert. Und einen offenen Punkt. Drei Hebel sind aus unseren Daten ableitbar, ein vierter bleibt offen.

Erstens — Klaeranlagen-Nachruestung. Die Korrelation zwischen Klaeranlagen-Ausleitung und gemessener Partikel-Dichte im Nahbereich ist hoch (r = 0.74). Eine vierte Reinigungsstufe mit Membran- Filtration koennte hier deutlich Wirkung zeigen. Die Investitionskosten sind erheblich, die politische Zustimmung waechst.

Zweitens — Textilwaesche-Filter. Polyester- Mikrofasern aus Waschmaschinen-Abwasser machen 38 Prozent unserer Funde aus. Verbindliche Vorfilter direkt an Waschmaschinen koennten diese Quelle drastisch reduzieren — vorausgesetzt, sie werden auch gewartet.

Mikroplastik ist nicht im Wasser. Mikroplastik IST das Wasser, einen Atemzug später.

Drittens — saisonale Schifffahrts-Auflagen. Der beobachtete Sommer-Anstieg um 18-24 Prozent steht in direktem Zusammenhang mit der Personen- und Sportschifffahrt. Geschwindigkeits- und Treibstoff-Auflagen fuer den Hochsommer waeren ein leichter Eingriff mit messbarem Effekt.

Viertens — der unerklaerte Romanshorn-Peak. Wir haben kein Modell, das den sekundaeren Konzentrations- Anstieg bei 180 Metern Tiefe nahe Romanshorn schluessig erklaert. Wir laden interessierte Arbeitsgruppen explizit ein, unsere Daten dazu (Datensatz "tiefenprofile.csv" im Outro) zu nutzen und Hypothesen zu publizieren. Wir wissen, was wir nicht wissen. Das ist ein guter Stand.

3 + 1
Hebel identifiziert. Drei realisierbar, einer offen.
Impressum · Daten · Dank

Wer dieser Report ist, was er offen liegt und wie er weitergeht.

Autor:innen

  • Dr. Nora Brunner· Lead ResearcherETH Zürich (assoz.)
  • Yves Hofmann· Data EngineerSubstrat Labs
  • Maja Stocker· EditorSubstrat Labs
  • Dr. Linus Berchtold· Lab LeadEawag (Gast)
  • Prof. Änne Faller· External ReviewerUniversität Konstanz

Foerderung

  • Stiftung Mercator Schweiz
  • Bundesamt für Umwelt BAFU
  • Internationale Bodensee-Konferenz

Diese Studie wurde unabhaengig finanziert. Die Foerderer hatten keinen Einfluss auf Methodik, Datenauswertung oder Schlussfolgerungen.

6 Datensaetze — Open Access (CC BY-SA 4.0)

Probenahme288 × 14

8 Stationen × 36 Monate, mit Wetter-Kontext

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Mikroskop-Aufnahmen4120 × 9

Faser-Befunde pro Probe, mit Bild-ID + Material

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Wasser-Chemie288 × 11

pH, Temp, O2, Leitfähigkeit pro Station/Monat

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Tiefenprofile600 × 8

8 Stationen × 25 Tiefen × 3 Jahre

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Wetter-Kontext1095 × 12

DWD/MeteoSwiss-Daten als Erklär-Hintergrund

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Zitations-Netz188 × 6

47 Studien + 141 Edges, gleich wie Kapitel 5 Graph

CSV herunterladen ↓

Neue Long-Reads, vier mal pro Jahr.

Kein Marketing, kein Tracking. Eine Mail wenn der naechste Report draussen ist.

SUBSTRAT LABSRosengartenstraße 4 · 8037 Zürich · post@substrat.labsDOI: 10.5281/zenodo.substrat.14Lizenz: CC BY-SA 4.0